Germanisches Ahnenerbe – Germanische Kultplätze (9) – Die Drüggelter Kapelle

Germanisches Ahnenerbe – Germanische Kultplätze (9) – Die Drüggelter Kapelle

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>Vermerk verstecken< Südlich der Stadt Soest liegt am nördlichen Rande des Möhnesees der Weiler Drüggelte. Dort finden wir zwischen alten Höfen und Wirtschaftsgebäuden das älteste Baudenkmal Westfalens, die sogenannte „Drüggelter Kapelle“. Unweit verlief hier in uralten Zeiten ein Heerweg in westöstlicher Richtung.

Der zwölfeckige Rundbau mit einem Durchmesser von 12 Metern ist vermutlich um das Jahr 800 entstanden und wurde im Volksmund schon immer als „Heidentempel“ bezeichnet. Der Rektor der Universität Köln, Herman Stangefol, erwähnte im Jahr 1656:

„Dort im sehr alten Tempel (...) gab es einst ein Bildnis der Göttin Trigla (Trigla Dea), das drei Köpfe hatte, zu dem sich die Heiden in höchsten Nöten, um Beistand flehend, gewöhnlich flüchteten.“

Erst im Jahre 1583 soll die Bildsäule mit der dreiköpfigen Götterfigur vollständig verschwunden sein.

Wie der Grundriss des Bauwerkes ausweist, bildet die Außenmauer ein fast regelmäßiges Zwölfeck mit nach Süden gewandter Tür. Ein Schieferdach mit Achtecktürmchen krönt den ganzen Bau. Innen wird die Umfassungsmauer von einer halbmeterhohen Steinbank umzogen. Der Raum selbst ist durch zwei Säulenkreise gegliedert. Den inneren Ring bilden zwei schwere gemauerte Pfeiler und ebenso viele gedrungene, kurze Säulen. Diesen Kern umzieht ein größeres Rund von zwölf schlanken Säulen. Die vier Innenstützen verbindet ein Kuppelgewölbe, das sich in Rundbogen auf seine Träger herabsenkt. Licht erhält dieser Innerraum durch sieben schießschartenartige Rundbogenfenster, deren Schwellen gut 2 Meter hoch über dem Fußboden liegen. Nach Osten öffnet sich eine halbkreisförmige Apsis, die einen Zwölfeckwinkel so umfasst, dass die beiden Winkelseiten zur Hälfte verschwinden.

Die Betrachtung des Innenraumes hinterlässt den Eindruck einer vollendeten Zweckwidrigkeit. Die Fülle der Stützen steht in keinem Verhältnis zur Last und zerreißt die ohnehin mäßige Bodenfläche in eine Unzahl Einzelstücke. Nirgends kann das Auge frei schweifen; stets wird es von Säulen und Pfeilern abgefangen. Sogar die Apsisöffnung wird blockiert. (Säule 4). Der Blick des amtierenden Priesters geht nicht wie in Langschiffkirchen ungehindert in die Tiefe des Raumes zur Gemeinde, sondern stößt auf ein Durcheinander grauer Steinwalzen. Man begreift den Sinn der baulichen Anlage nicht, die der Form des christlichen Gottesdienstes so wenig Rechnung trägt.

Wenn nach all dem die angeklebte Apsis auf die Missionsperiode deutet, so rückt der übrige Bau in die vorchristliche Zeit hinauf, also mindestens ins 6. Jahrhundert, denn die ersten planvollen Bekehrungsanläufe in Südwestfalen fallen in die Regierung Bischof Kuniberts von Köln (623-663). Es liegt nahe, die Deutung im religiösen Bereich zu suchen nach dem bekannten Missionsgrundsatz, heidnische Tempel nicht niederzureißen, sondern in christliche Andachtsstätten umzuwandeln.

Und hier tritt uns aus der Form des Innenraumes eine überraschende Lösung entgegen. Stellt man sich unter das zweite Fenster rechts von der Tür, so weicht der Säulenwirrwar plötzlich einer klaren Ordnung. Wie bei einem Vexirbild fügen sich die Glieder zu einer sinnvollen Einheit zusammen: ein meterbreiter Gang öffnet sich plötzlich von einer Wand zur anderen und die Stützen treten rechts und links beiseite. Des Rätsels Lösung bietet die Kompassmessung: das zweite Fenster rechts der Tür ist nach Südosten gerichtet, auf den Sonnenaufgang zur Winterwende; entsprechend die gegenüberliegende Öffnung nach Nordwesten, d.h. nach Sonnenuntergang zur Sommerwende. Am Montag des 21. Julmond fallen die Strahlen des über dem Arnsberger Wald heraufkommenden Lichtes quer durch das Innere auf die gegenseitige Wand. Dieser Lichtfall lässt sich noch heute beobachten, wenn auch die ersten Abschnitte des Sonnenaufganges von dem Dach einer 50 Meter entfernten Scheune verdeckt werden. Im Nordosten und Südwesten vervollständigen zwei weitere Fenster die Ortungslinie zum Rechtkreuz. Nur ist der Säulengang etwas schmäler als in der Nordost-Nordwest-Richtung.

Die geschilderte Ortung rückt den Bau eindeutig in eine Zeit, die germanisches Gut lebendig formte. Klar spiegelt sich hier das nordische Weltbild mit seiner Betonung der Sonnenwendpunkte. Die Kapelle gehört in die große Sippe germanischer Kalenderdenkmäler, die von den Steinsetzungen des Neolithikums an bis zum Untergang des Heidentums alle Jahrhunderte des ungebrochenen Nordens begleiten.

Quellen und weiterführende Verweise:
https://www.reiner-padligur.de/info_drueggelter_Kapelle.htm
https://allsherjargode.beepworld.de/drueggelte.htm
http://www.godeweg.de/05_2_sauerland/Drueggelter_Kapelle.html

Schrifttum:
Werner Müller, "Die Kapelle von Drüggelte bei Soest", Germanien Monatshefte, 1937, Heft 4, Seite 103-110
Dieter Kestermann, Die Kapelle auf den Drüggelter Höfen – Vom heidnischen Tempel zur christlichen Kapelle, das älteste Gebäude Westfalens, Bochum 1988.

Musik:
Galdur, A New Dawn, (Age of Legends, 2016)
Galdur Bandcamp: https://galdur.bandcamp.com/album/age-of-legends
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